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Landsmannschaftliche Charakterisierung des Thüringers



 
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Dieter Taube
Gründer († 2007)
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 23.01.2005
Beiträge: 48
Wohnort: Rinteln (Niedersachsen) † 2007

BeitragVerfasst am: 31.01.2005, 16:04    Titel: Landsmannschaftliche Charakterisierung des Thüringers Antworten mit Zitat

Zunächst einmal: Thüringer gibt es garnicht. Das weiß jeder. Sie sind zuletzt im frühen Mittelalter als Land und Volk in Erscheinung getreten. Danach waren sie sächsisch, preußisch, hennebergisch, aber am liebsten unter sich als Kleinstaatler.

Ihre geschichtlichen Traditionen haben sie heute vergessen, so wie alle anderen Deutschen auch. Von Natur aus aber sind sie konservativ, was man schon daran erkennt, daß sie sich als einziger Germanenstamm geweigert haben, die Völkerwanderung mitzumachen. Es hat ihnen gereicht, zu bleiben, wo sie sind, obwohl es auf Sizilien viel schöner ist.

Um das Bißchen zu behalten, was sie hatten, benahmen sie sich unauffällig. Von den königlichen Sachsen schlichen sie sich ganz leise mit der Taktik der Erbteilung davon. Um diese nicht herauszufordern, behielten sie das Wort "Sachsen" im Landesnamen bei. Wer nie bei Sachsen war, benannte sich so, daß niemand in Deutschland wußte, wo das Land denn sein konnte: Schwarzburg-Sondershausen etwa. Was soll ein Schwabe damit anfangen ? Ganz clever waren die Burschen, die sich Reuß, also Rußland, benannten. Das sucht kein Mensch in der Mitte Deutschlands.

Aus Tarnungsgründen behielten sie auch ihre verschiedenen Dialekte bei: Sächsisch, fränkisch und ein halbes Hessisch in Eisenach. Eigentlich ist es so, daß die Sachsen thüringisch sprechen, aber daran erinnern die Thüringer klugerweise nicht.
Zu der Gründung eines Landes Thüringen ließen sie sich nur unwillig überreden. Das machte sie viel zu auffällig. Die Coburger hauten sogar ab und gingen lieber zu Bayern, weil das Land groß genug war, um darin unbeachtet unterzutauchen.
Dafür bekamen sie später das Eichsfeld dazu, das eigentlich garnicht zu Thüringen paßt, und auch den Harz, wo man ganz anders jodelt als im Thüringer Wald.
Die Altenburger sind eigentlich zur Hälfte Wenden, mögen das aber nicht zugeben, weil keiner gern zu den Verlierern in der Geschichte gehört. Die Spuren ihrer slawischen Ahnen haben sie frühzeitig durch Umbenennung verwischt, so daß man sie nicht mehr finden kann. Nur bei den Ortsnamen mit 20 Zischlauten hintereinander haben sie nicht aufgepaßt.

Am meisten repektiert waren die Thüringer, als sie noch die Zwergherzogtümer hatten. Kriege konnten sie nicht führen, weil sie keine ernstzunehmenden Armeen bezahlen konnten. Also verlegten sie sich auf die schönen Künste. Dafür hatten sie einen Standortvorteil: Thüringen liegt zentral und konnte bequem von Dichtern, Wissenschaftlern und Religionsgründern erreicht werden, von denen immer einer auf der Flucht vor seinem Landesherrn war. Noch heute gibt es nirgendwo in Deutschland eine vergleichbare Theaterdichte. Jede Kleinstadt hat ein Opernhaus, weil praktisch jede Stadt Residenzstadt war.

Außerdem versorgten sie die Welt mit Monarchen. Sie hatten ja so viel Nachwuchs davon. Es machte nichts, wenn einer davon mal ein bißchen doof war. Der Qualitätsbegriff Sachsen-Coburg-Gotha riß es raus und die Empfänger waren zufrieden.

In den thüringischen Ländern selbst kam es zu einem gemütlichen Regierungsstil. Der Herzog war nie in unerreichbarer Entfernung und kümmerte sich um die Belange seiner Leute. Er machte ab und zu den Paten oder schickte wenigstens ein paar Hofschranzen auch zu einfachen Leuten. Jährlich kam die Frau Fürstin ans Gymnasium und hielt eine kurze wohlwollende Rede, zu der begeisterte vaterländische Rufe erschallten.

Es gab nie das Bedürfnis, großmächtig, intrigant oder auch nur belehrend gegenüber den anderen deutschen Ländern aufzutreten.

Deshalb wäre ich auch heute noch dafür, die alten Herzogtümer mitsamt dem wunderschönen territorialen Flickenteppich wieder aufleben zu lassen.

Macht mir jetzt ja nicht durch beckmesserische Einwände mein schönes, in der Ferne kultiviertes, Thüringen-Bild kaputt.
_________________
MfG

Dieter
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Andrei Zahn
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Anmeldungsdatum: 26.01.2005
Beiträge: 59
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 31.01.2005, 17:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dieter,

solche ein schöner Text reizt mich immer wieder mal ein paar Ergänzungen einzuflechten und zu hoffen, daß du es nicht als Belehrung ansiehst. Winken Das die kleine Geschichte nicht ganz ernst von dir gemeint ist, scheint jedem klar, doch scheint es mir, daß die Parodie von einigen Fakten ausgeht, die in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so stehen bleiben können.

Zunächst einmal waren die Thüringer streng genommen kein Volk. Sie waren ein Stammesverband aus einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Stämme, die teilweise sogar unterschiedliche Kulturkreisen angehörten. Dieser Stammesverband war keineswegs homogen, sondern passte sich den jeweiligen äußeren Bedingungen an. So kamen und gingen verschiedenste Stammesgruppen, je nach Kräfteverhältnis.

Nach der Zerschlagung des Königreiches 531/534 bestand das Gebiet in seiner bevölkerungsmäßigen Zusammensetzung noch bis ca. 600. So lässt es sich zumindest anhand der Archäologie nachweisen.
Der "sächsische" Einfluß ist in Nordthüringen (Magdeburger Börde, Altmark, Leinetal südlich Hannover) ab ca. 700 nachweisbar. Die mittelthüringischen Gebiete (Bode im Norden bis Thüringer Wald im Süden) wurde durch verschiedenste Völkerschaften planmäßig besiedelt. Eine massive fränkische Besiedlung erfuhr dagegen Südthüringen (heutiges Ober- und Mittelfranken).

Die Bezeichnung "Sachsen" rührt von den dynastischen Verhältnisse unter den Askaniern und Wettinern, nur sehr gering von sächsischen Siedlern. Das Sächsisch als Dialekt ist ja eine Mischung aus Thüringische-Fränkischem und Slawischen Sprachen.

Das die Thüringer nicht gewandert sind, kann nicht stimmen. Denn dort wo sie im 5. Jh. erstmals als Thüringer nachweisbar werden, müssen sie ja erst einmal hingekommen sein. Große Teile sind durch die Völkerwanderung mitgerissen worden (Lombardei, Flandern). Das entstehende Königshaus hatte vielfältige Beziehungen zum Ost- und West-Gotenreich, sowie zum Langobarden und natürlich auch zum Frankenreich. (Großmutter des Chlodwig war eine Thüringerin).

Nach der ersten "bleibenden" Erbteilung in Ernestiner und Albertiner, war keine Zugehörigkeit einer bestimmten Völkerschaft zu den einen, noch zu den anderen möglich.
Auch wenn Du auf den heutigen Freistaat bzw. die bis 1918 bestehenden "thüringischen" Staaten anspielst, war es doch bis zur Schlacht bei Mühlberg eher so, daß die Ernestiner die Kurfürsten waren und den größten Teil des heutigen Sachsens besaßen. Regierungssitze der Ernestiner waren bis dato Torgau und Grimma. Erst nach 1554 wurde Weimar ernestinischer Regierungssitz.

Die Vögte von Weida (später die REUß) stammen aus dem Eichsfeld, sind zumindest dort erstmals im 12. Jh. nachweisbar. Wettiner, Askanier und Schwarzburger kommen eher aus den süddeutschen Raum.

Ob die Altenburger nun zur Hälfte Wenden sind, lässt sich schwer sagen. Slawische Ursprünge haben die Einwohner bis ins tiefste Thüringen hinein.
Umbenannt haben sie sich auch nicht, denn die Familiennamen sind erst einige Jahrhunderte später entstanden.

Größte Stadt wendischen Ursprungs in Sachsen ist Leipzig, gefolgt von Dresden, Chemnitz und Zwickau. In Thüringen tummeln sich so Städte wie Pößneck, Triptis, Lobeda, Schkölen, Köstritz, Krossen, Schleiz, Greiz usw. die slawischen Ursprungs sind.

Das mit den Theathern lag wohl auch mit daran, daß einige wenige der Ernestinischen Herzöge ein wenig mehr Intellekt hatten, als andere.

Die Wiedereinführung der Herzogtümer hieße, alle 10 km Zollstellen. Dann wäre die PKW-Maut auch auf dem letzten Feldweg durchgesetzt.
Geschockt

Gruß
Andrei


Zuletzt bearbeitet von Andrei Zahn am 31.01.2005, 17:24, insgesamt einmal bearbeitet
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Dieter Taube
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Gründer († 2007)



Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 23.01.2005
Beiträge: 48
Wohnort: Rinteln (Niedersachsen) † 2007

BeitragVerfasst am: 31.01.2005, 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Andrei Zahn hat folgendes geschrieben:
solche ein schöner Text reizt mich immer wieder mal ein paar Ergänzungen einzuflechten und zu hoffen, daß du es nicht als Belehrung ansiehst.

Es stört mich nicht und ich habe auch nichts gegen intelligente Belehrungen.

Ich weiß, daß Du ein Kenner der thüringischen Geschichte bist und würde mich freuen, ab und zu einige Beiträge von Dir dazu zu lesen, die etwas ernster zu nehmen sind als mein Startartikel.
_________________
MfG

Dieter
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Marion Milkau
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Anmeldungsdatum: 24.01.2005
Beiträge: 22
Wohnort: Zwickau-Sachsen

BeitragVerfasst am: 31.01.2005, 18:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dieter und Andrei,

ein zum schmunzeln anregender kleiner Bericht, Dieter Smilie , das zeigt dass man Geschichte nicht immer Bierernst nehmen muss. Aber um die Fakten von Andrei kommt man trotzdem nicht drum herum, auch wenn's ein paar Illusionen zerstört Winken .

Herzliche Grüße Marion
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