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Ahnenkult und Totentaufe



 
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Eberhard Schuster
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Anmeldungsdatum: 20.05.2005
Beiträge: 2
Wohnort: Chemnitzer Str. 99 09599 Freiberg

BeitragVerfasst am: 21.05.2005, 12:25    Titel: Ahnenkult und Totentaufe Antworten mit Zitat

Hier im Thread geht es um den Artikel, der als Beitrag 7 (Verfasst am: 21.02.2008, 13:49 ) hier im Thread steht. (bearbeitet Frank Fuchs 21.02.2008)


Hallo!
Noch etwas zu dem Artikel. Hier wird etwas Übertrieben. Es besteht eine Anweisung dass wir Mitglieder nur unsere eigenen Vorfahren taufen lassen. Es mag einige Übereifrige Mitglieder geben. Es ist aber nicht die Regel. Außerdem ist es Verboten Juden einzureichen.
Wenn Verfilmt wird liegt es an den Kirchen ob die Filme zur Ansicht zur Verfügung stehen oder nicht.
Mit freundlichen Grüßen Eberhard
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Birgit Plöger
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Anmeldungsdatum: 25.01.2005
Beiträge: 41
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BeitragVerfasst am: 21.05.2005, 13:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Selbst die Geburtsregister kleinster Schwarzwaldgemeinden lassen sich dort finden.

Da wurden dann wohl die Dörfer in Thüringen weitestgehend davon ausgenommen?
Ich habe zu den Orten wie Horba, Wildenspring, Rohrbach, Meura, Döschnitz, Dessbach, die sich alle im Schwarzatal befinden, nichts gefunden. Weinen

Leider habe ich nur zu Mellenbach, welches sich in diesem Raum befindet, eine Film-Nr. finden können.

Auch zu den Orten wie Halsbrück(e) und Leuenberg aus Sachsen oder Groß Streßow von der Insel Rügen oder Ahlimbswalde aus Brandenburg kann ich nichts finden.

Oder kann es sein, dass ich bei der Ortssuche was falsch mache?

Das macht die Suche vor Ort um so schwieriger, weil nicht jedes Pfarramt Einsicht in die KB gibt bzw. es durch die Anfahrt dorthin sehr zeit- und kostenaufwendig ist.


Zuletzt bearbeitet von Birgit Plöger am 23.05.2005, 16:22, insgesamt einmal bearbeitet
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Christian Weiser
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Anmeldungsdatum: 25.01.2005
Beiträge: 169
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BeitragVerfasst am: 23.05.2005, 16:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Birgit,

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß in der Orts-Suchmaske bei familysearch.org eingegebene Orte manchmal nicht direkt gefunden werden.
Gibt man aber einen Nachbarort oder eine leicht variierte Schreibweise ein, taucht der Ort doch mit in der Liste der auf einem Film enthaltenen Dörfer auf.

Grüße
Christian
_________________
http://www.christian-weiser.de/
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Birgit Plöger
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Anmeldungsdatum: 25.01.2005
Beiträge: 41
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 23.05.2005, 16:33    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
...eingegebene Orte manchmal nicht direkt gefunden werden...Gibt man aber einen Nachbarort oder eine leicht variierte Schreibweise ein

Das habe ich auch getan; Umlaute habe ich mit 'oe' usw. und 'ß' mit 'ss' eingegeben. Aber meistens auch ohne Erfolg.
Von Matthias Daberstiel habe ich aber erfahren, dass z.B. Deesbach zum Kirchenspiel Oberweißbach gehört und es für Heirats- und Sterbeeinträge einen Film gibt.
Jedoch ist bei der Angabe über familysearch.org Deesbach in Oberweißbach nicht aufgeführt.

Döschnitz ist z.B. ein Ort, zu dem noch mindestens zwei weitere Orte dazugehören. Dieser Ort ist überhaupt nicht zu finden.
So kann man als Unwissender nicht nachvollziehen, welche KB tatsächlich verfilmt sind.
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Eberhard Schuster
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Anmeldungsdatum: 20.05.2005
Beiträge: 2
Wohnort: Chemnitzer Str. 99 09599 Freiberg

BeitragVerfasst am: 29.05.2005, 19:06    Titel: ...eingegebene Orte manchmal nicht direkt gefunden werden... Antworten mit Zitat

Hallo Birgit!
Du kannst die Orte nicht finden weil das Programm keine Umlaute annimmt. Beispiel ä(a) ü(u) ö(o).
Wenn es noch fragen gibt stehe ich gern zur Verfügung.
Gruß Eberhard
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Matthias Daberstiel
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Anmeldungsdatum: 27.01.2005
Beiträge: 20
Wohnort: 01257 Dresden

BeitragVerfasst am: 12.11.2006, 09:03    Titel: Fehlende Verfolmungen in Thüringen Antworten mit Zitat

Liebe Birgit,

da ich viel in Thüringen forsche, habe ich die Erfahrung gemacht, daß die Landeskirche einen verfilmung ihrer Kirchenbücher nicht zugelassen hat. Die Verfilmungen, welche bei den Mormonen vorliegen stammen fast ausschließlich aus staatlichen Archiven.So auch der Film Oberweißbach, bei dem es sich auch um ein Kirchenbuchduplikat handelt.

Grundsätzlich muß man bei Family Search immer nach dem Kirchspiel suchen! Die Zugehörigkeit einzelner Orte in Thüringen zu den Kirchspielen kann man recht gut aus dem sogenannten "Güldenapfel" entnehmen. leider ist meiner nicht vollständig, so daß ich ihn hier auch nicht posten kann.


Das Verfilmungsproblem trifft auch auf Sachsen zu. Hier steht man Verfilmungen generell sehr kritisch gegenüber.

Viele Grüße aus Dresden

Matthias Daberstiel
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Frank Fuchs
ist
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 24.01.2005
Beiträge: 511

BeitragVerfasst am: 21.02.2008, 13:49    Titel: Ahnenkult und Totentaufe Antworten mit Zitat

Hier im Thread geht es um folgenden interessanten Artikel:

Ahnenkult und Totentaufe – zur Problematik der genealogischen Datenerfassung durch die Mormonen

In vielen Archiven und Bibliotheken spielt sich derzeit ein stilles Drama ab, das unabsehbare Folgen für die Kultur haben könnte: der sogenannte „Säurefrass“ zerstört langsam aber sicher unzählige Bücher und Aktenbestände. Papier wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts grösstenteils industriell und unter Beigabe von Säure produziert, was heute zur Folge hat, dass diese Säure das Papier allmählich zerstört. Schon jetzt sind in vielen Archiven ganze Aktenbestände gesperrt, weil ihre Benutzung den Zerfallsprozess nur noch beschleunigen würde. Zwar gibt es mittlerweile ein Entsäuerungsverfahren, doch ist dies ebenso aufwendig wie teuer. Vielen Archiven bleibt deshalb nur die Verfilmung ihrer Bestände als Ausweg, da aber Länder, Kommunen und Kirchen in Zeiten leerer Kassen dafür immer weniger Mittel zur Verfügung stellen und die Verfilmungsunternehmen ohnehin völlig überlastet sind, scheint der Kampf gegen den Aktenschwund von vornherein verloren.
Warum sich also nicht an die Mormonen, genauer gesagt die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ (HLT) wenden? Schliesslich betreibt die HLT bzw. ihre 1894 gegründete „Genealogical Society“ zum Zwecke reger Ahnenforschung eine Datenerfassung gigantischen Ausmasses, indem sie vor allem Kirchenbücher (also Geburts- und Sterberegister) ausleiht, sie verfilmen lässt und ihrem Inhaber gratis eine Kopie des Films zur Verfügung stellt. Beispielsweise wurden schon zu Beginn der siebziger Jahre sämtliche Kirchenbücher der Erzdiözese Freiburg verfilmt, so dass sich heute im weltgrössten Ahnenforschungszentrum der HLT, der in Salt Lake City ansässigen Family History Library und dem mit ihr verbundenen FamilySearch Center, selbst die Geburts- und Sterberegister kleinster Schwarzwaldgemeinden finden lassen. Ähnliches gilt für die Kirchenbücher der evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg, deren Bestände allem Anschein nach in den sechziger und siebziger Jahren ebenfalls komplett verfilmt wurden und heute in der Family History Library einsehbar sind. Gehortet werden die Daten ausserdem in angeblich atombombensicheren Stollen, die eigens dafür in einem Granitfelsen 32 Kilometer südöstlich von Salt Lake City angelegt wurden.
Das Verfilmungsunternehmen Mikrofilm-Center GmbH im brandenburgischen Kossenblatt hat, nachdem die Firma kurz vor der Insolvenz stand, derzeit einen grossen Auftrag der „Genealogical Society“ in Arbeit und verfilmt ostdeutsche Kirchenregister. „Etwa zweimal im Jahr bekommen wir Besuch von den Mormonen, die sich dann nach dem aktuellen Stand der Dinge erkundigen“, so der Firmenprokurist gegenüber der „Berliner Morgenpost“. Offenbar hat das Unternehmen keine Schwierigkeiten, bei den Pfarrämtern an das zu verfilmende Material heranzukommen, zumal man dort froh sein dürfte, dass die Informationen auf diesem Wege erhalten bleiben, und vermutlich auch nicht wissen dürfte, für wen die Mikrofilm-Center GmbH die Verfilmung vornimmt.
Möglicherweise ist dies sogar ganz im Sinne der Mormonen, denn zumindest die katholische Kirche hat die in einigen Bistümern seit 1969 bestehende und auch vertraglich geregelte Zusammenarbeit mit der „Genealogical Society“ aufgekündigt. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat im April 2002 eine „Handreichung zur Verfilmung von Kirchenbüchern durch die Mormonen“ verabschiedet, in der es heisst: „Das Angebot der Genealogischen Gesellschaft von Utah auf Sicherungsverfilmung der Kirchenbücher soll künftig nicht mehr wahrgenommen werden. Dies betrifft Neuverfilmungen ebenso wie die Nachverfilmung schadhafter Filmkopien.“ Auf protestantischer Seite überwog schon früher eine restriktive Praxis; so lehnten nach Angaben des evangelischen Sektenexperten Rüdiger Hauth 11 der 18 westdeutschen Landeskirchen zwischen 1947 und 1980 die leihweise Herausgabe der Kirchenbücher zwecks Verfilmung ab, drei Landeskirchen, darunter wie gesagt auch die badische und die württembergische, stimmten ihr zu, die übrigen vier zogen die Zustimmung zur Verfilmung nach ursprünglicher Einwilligung wieder zurück.
Ausschlaggebend für die ablehnende Haltung der evangelischen und neuerdings auch der katholischen Kirche dürfte v.a. die religiöse Motivation der HLT sein. Dass diese nämlich so unermüdlich genealogische Daten erfasst und speichert, hängt mit ihrem Glaube zusammen, demzufolge Nicht-Mormonen nachträglich mormonisch getauft werden müssen, um der ganzen Fülle ewigen Heils und der Erlösung im Jenseits teilhaftig zu werden. Zu diesem Zweck lassen sich Mormonen stellvertretend für Verstorbene taufen und wirken somit als eine Art Miterlöser der Toten, bei denen es sich in der Regel um Verwandte handeln dürfte. Da dies offenbar jedoch nur funktioniert, wenn man die Namen der Vorfahren kennt, haben die Mormonen eben jene gigantische Ahnenforschung in Gang gesetzt, deren Datensammlung mittlerweile über eine Milliarde Mikrofilme umfassen soll.
Während diese Daten mittlerweile auch via Internet zugänglich sind (unter http://www.familysearch.org), ist nur vor Ort, d.h. im Ahnenforschungszentrum in Salt Lake City einsehbar, wer unter den Verstorbenen nun tatsächlich schon posthum zum Mormonen getauft wurde. Abgefragt werden kann dies an hochmodernen EDV-Arbeitsplätzen in einem speziellen Suchprogramm, das dem Publikum zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung steht. Gibt man z.B. den Namen „Martin Luther“ ein, erhält man folgenden Eintrag:

Luther, Martin
Geschlecht: männlich
Geboren: 10 Nov 1483 Eisleben, Sachsen, Preussen
Taufe: 1 Dez 1987 PROVO
Begabung: 6 Jan 1988 PROVO
Siegelung an Eltern: 6 Jan 1988 PROVO
Vater: Hans LUTHER
Mutter: Margarete
Quelle: Formular von HLT-Mitglied eingereicht.
Serie Nr. 8707831, Blatt #: 23, Standortnummer der Quelle: 1396321

Aus diesem Eintrag geht also hervor, dass der Reformator am 1. Dezember 1987 in Provo, einer Nachbarstadt von Salt Lake City, mormonisch getauft wurde, und dies wahrscheinlich auf Initiative jenes, möglicherweise deutschen HLT-Mitglieds, von dem das Formular eingereicht wurde. Ausserdem wurde Luther kurz darauf, am 6. Januar 1988 und ebenfalls in Provo, auch noch mit der „Begabung“ und der „Siegelung an die Eltern“ versehen. Dabei handelt es sich um zwei weitere Rituale, wobei die „Begabung“ darin besteht, dass man entweder für sich selbst oder wiederum stellvertretend für Verstorbene, „geheime Erkennungsworte und -zeichen“ erhält, die beim Weg in den obersten der drei Himmel behilflich sein sollen. Dorthin gelangt nach Auffassung der Mormonen ausserdem nur, wer für die Ewigkeit an die Eltern und einen Ehepartner „gesiegelt“ wurde.
Diese, doch einigermassen skurril anmutenden Vorstellungen haben dazu geführt, dass nicht nur Luther, sondern auch eine ganze Reihe von Päpsten getauft und an Eltern bzw. Ehepartner „gesiegelt“ wurden. Der besonders berüchtigte Papst Alexander VI. wurde gleich viermal getauft, ausserdem wurde ihm eine „Mrs. Pope Alexander III“ (sic!) anver- bzw. -getraut. Besonders makaber wurde es, als die Mormonen in ihrem Eifer auch noch anfingen, jüdische Holocaust-Opfer zu taufen, wogegen sich der Protest jüdischer Organisationen erhob und diese Praxis 1995 eingestellt wurde.
Der mormonische Ahnenkult und die damit verbundene Erfassungswut werfen selbstverständlich eine ganze Reihe von Problemen auf; zum einen stellt sich die Frage nach dem Datenschutz, denn es gibt zumindest Hinweise darauf, dass die Datensammlung auch schon für andere als genealogische Zwecke zur Verfügung gestellt wurde. So soll das Material zur Durchführung einer medizinischen Studie verwendet worden sein. Aus kirchlicher Sicht am problematischsten dürfte jedoch sein, dass die Datenerhebung in erster Linie zum Zwecke des, wie es der katholische Theologe Michael Fuss so schön formuliert hat, „spirituellen Kidnapping“ betrieben wird. Sein evangelischer Kollege Werner Thiede hat dazu festgestellt: „Das Angebot von mormonischer Seite, sich vertraglich zu verpflichten, dass keine pauschalen, listenmäßigen Totentaufen durch Benutzung der verfilmten Kirchenbücher vollzogen werden, dürfte kirchlich-theologische Bedenken gegen die massenweise ‚Auslieferung‘ der Daten christlich getaufter Verstorbener zum Zwecke der genannten Tempelrituale kaum ausräumen können.“
Aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive ist es zweifellos ebenso verdienstvoll wie faszinierend, was die Mormonen mit Bienenfleiss und unter ungeheurem finanziellem Aufwand betreiben, um genealogische Daten zu erheben und zu sichern. Einige Pfarrer halten denn auch heute noch den Nutzen der Datensicherung für grösser als den Schaden durch eine posthume mormonische Taufe. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht etwas beschämend und bedenklich ist, wenn aus purer Geldnot für die Erhaltung von Archivmaterial auf die Dienstleistungen einer religiösen Organisation zurückgegriffen werden muss, deren Motivation zumindest diskutabel ist. Den Kirchen und anderen öffentlichen Körperschaften sollte der Erhalt von Kirchenbüchern so viel wert sein, dass er auch in Zeiten knapper Mittel finanziert werden kann.


Artikel erschienen im „Materialdienst“ der EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen Berlin), Heft 2/2004, S. 68ff.

Quelle: Infosekten, 02.08.2006

Mittwoch, 2. August 2006

http://www.kath.ch/infosekten/text_detail.php?nemeid=62606
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Andrei Zahn
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Anmeldungsdatum: 26.01.2005
Beiträge: 59
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 30.06.2008, 07:58    Titel: Re: Ahnenkult und Totentaufe Antworten mit Zitat

Ein paar kleine Anmerkungen zum Zitat:

" Gehortet werden die Daten ausserdem in angeblich atombombensicheren Stollen, die eigens dafür in einem Granitfelsen 32 Kilometer südöstlich von Salt Lake City angelegt wurden."

Allein schon an dieser Formulierung lässt sich der Autor dieses Artikels auf ein Niveau herab, welches unter dem liegt, das er hier anprangert.
Der Begriff "Gehortet" entbehrt nicht einer gewissen Unkenntnis des Autors über die archivalischen Standards in Salt Lake City, egal wie man zur religiösen Einstellung der Mormonen stehen mag.

Das Hauptproblem der christlichen Kirchen, speziell der ev. luth. und der kath. Kirchen ist, ihre religiösen Vorstellungen von der vom wissenschaftlichen Standpunkt aus notwendigen und richtigen Archivierung und Sicherung der überlieferten Pfarrarchiv-Bestände zu trennen.
Es fehlt einfach die Akzeptanz, daß sie eine kulturhistorische Verantwortung durch ihren reichen Schatz an Archivgut besitzen und sofern sie selbst nicht dazu in der Lage sind (was keine Kritik sein soll), jede wie auch immer geartete Hilfe in Anspruch nehmen sollten.

Es war der Zufall der Geschichte, daß die Kirchen dazu auserwählt wurden, personengeschichtliche Daten zu sammeln. Keineswegs war es ihr ureigenstes Interesse, sondern sie wurden vom Landesherren dazu verpflichtet. So sind die Kirchenbücher in keinster Weise religiös motivierte Archivalien, sondern Personenstandsregister. Ein weiterer Zufall der Geschichte wollte es, daß nach Trennung von Staat und Kirche, diese Kirchenbücher nicht in das Eigentum des Staates überführt wurden. Dies hätte durchaus auch geschehen können.

"...Ausschlaggebend für die ablehnende Haltung der evangelischen und neuerdings auch der katholischen Kirche dürfte v.a. die religiöse Motivation der HLT sein. Dass diese nämlich so unermüdlich genealogische Daten erfasst und speichert, hängt mit ihrem Glaube zusammen, demzufolge Nicht-Mormonen nachträglich mormonisch getauft werden müssen, um der ganzen Fülle ewigen Heils und der Erlösung im Jenseits teilhaftig zu werden. Zu diesem Zweck lassen sich Mormonen stellvertretend für Verstorbene taufen und wirken somit als eine Art Miterlöser der Toten, bei denen es sich in der Regel um Verwandte handeln dürfte. Da dies offenbar jedoch nur funktioniert, wenn man die Namen der Vorfahren kennt, haben die Mormonen eben jene gigantische Ahnenforschung in Gang gesetzt, deren Datensammlung mittlerweile über eine Milliarde Mikrofilme umfassen soll."

Hier verschweigt der Autor aber, daß das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Die religiösen Handlungen der Mormonen waren von anfang an bekannt. Auch das Ausmaß (welches sich auf einen verschwindend geringen Bruchteil des Archivgutes bezieht) der Totentaufen ist immer bekannt gewesen. Zumal in allen ähnlich gearteten Artikeln das Mittel der Halbwahrheit angewendet wird. Denn grundsätzlich gilt bei den Mormonen, daß eine Taufe nur dann wirksam wird, wenn sich der Verstorbene mit dieser bereiterklärt. Da dieses Einverständnis in dieser "Welt" kaum jemand nachweisen könne, ist die sogenannte Totentaufe auch kein Faktum, sondern eher ein Angebot an die Toten, so sie dies wollen, diese Taufe anzunehmen. So bleibt für gläubige und nicht gläubige Menschen nur die Gewissheit, daß es keine Gewissheit gibt.

"Der mormonische Ahnenkult und die damit verbundene Erfassungswut werfen selbstverständlich eine ganze Reihe von Problemen auf; zum einen stellt sich die Frage nach dem Datenschutz, denn es gibt zumindest Hinweise darauf, dass die Datensammlung auch schon für andere als genealogische Zwecke zur Verfügung gestellt wurde. So soll das Material zur Durchführung einer medizinischen Studie verwendet worden sein."

Hier zeigt der Autor ein weiteres Mal seinen Stand der Unkenntnis. Welche Datenschutzbestimmungen will er denn auf die Nutzung von Daten, bereits lange verstorbener Personen anwenden. Da würde sogar der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung keine Antwort wissen.
Es gibt, abgesehen von den gesetzlich festgelegten Datenschutzbestimmungen, die in der Regel für das 20. Jh. gelten, keine aber auch gar keine Festlegungen.

Und es ist sogar wünschenswert und ausgesprochen nutzbringend für die alle, daß diese Daten für medizinische Studien und sozialhistorische Studien und namenkundliche Studien usw. verwendet werden. Wer hier "dunkle Machenschaften" entdeckt, stellt jegliche wissenschaftliche Forschung in die Schmuddelecke.

"Aus kirchlicher Sicht am problematischsten dürfte jedoch sein, dass die Datenerhebung in erster Linie zum Zwecke des, wie es der katholische Theologe Michael Fuss so schön formuliert hat, „spirituellen Kidnapping“ betrieben wird."

Sollte es so etwas geben "spirituelles Kidnapping" ? Gibt es also wirklich einen anderen Gott, der über dem "katholischen Gott" oder über dem "evangelischen Gott" ? Ist der Glaube an den eigenen "Glaube" so schwach, daß man befürchten könnte, die Mormonen hätten das Zeug dazu und könnten im religiösen Sinne wirklich eine "Umtaufe" erreichen ?
Solange solche Unsicherheiten im religiösen Selbstverständnis herrschen, sollte man nicht auf "Skurilitäten" anderer Glaubensgemeinschaften "herabblicken".

"Sein evangelischer Kollege Werner Thiede hat dazu festgestellt: „Das Angebot von mormonischer Seite, sich vertraglich zu verpflichten, dass keine pauschalen, listenmäßigen Totentaufen durch Benutzung der verfilmten Kirchenbücher vollzogen werden, dürfte kirchlich-theologische Bedenken gegen die massenweise ‚Auslieferung‘ der Daten christlich getaufter Verstorbener zum Zwecke der genannten Tempelrituale kaum ausräumen können.“

Hierzu siehe meine obigen Anmerkungen, auf wessen Initiative die christlichen Kirchenbücher angelegt wurden.

"Aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive ist es zweifellos ebenso verdienstvoll wie faszinierend, was die Mormonen mit Bienenfleiss und unter ungeheurem finanziellem Aufwand betreiben, um genealogische Daten zu erheben und zu sichern. Einige Pfarrer halten denn auch heute noch den Nutzen der Datensicherung für grösser als den Schaden durch eine posthume mormonische Taufe."

Kommt der Autor am Ende seines Artikels doch noch zum Kernpunkt des Themas und zieht sogar sinnvolle Schlüsse.
Den christlichen Kirchen sollte bewusst, sein, daß irgenwann alle in Kirchenbüchern eingetragene Personen in Datenbanken enthalten werden sein. Dann wird eigentlich nur noch zurückschauend beurteilt werden können, welchen Anteil die christlichen Kirchen daran hatten, bzw. welchen Nichtanteil.

"... ob es nicht etwas beschämend und bedenklich ist, wenn aus purer Geldnot für die Erhaltung von Archivmaterial auf die Dienstleistungen einer religiösen Organisation zurückgegriffen werden muss, deren Motivation zumindest diskutabel ist. Den Kirchen und anderen öffentlichen Körperschaften sollte der Erhalt von Kirchenbüchern so viel wert sein, dass er auch in Zeiten knapper Mittel finanziert werden kann...."

Dieses Argument geht auch an der Wirklichkeit vorbei. Dort, wo ehrenamtliches Engagement verschiedenster Vereine oder Einzelpersonen bereitsteht, auf eigene Kosten neben Beruf in der Freizeit diese Sicherung der Kirchenbücher zu übernehmen, fernab jeglicher religiöser Hintergründe, wird genau die gleiche Scheinargumentation benutzt, beginnend beim Datenschutz bis hin zur Unterstellung persönlicher Bereicherung und Profitsucht. Viele Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel.
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Carolin Hettner
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Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 20.02.2005
Beiträge: 11
Wohnort: Bad Elster

BeitragVerfasst am: 12.07.2008, 23:06    Titel: Dazu wollte ich mal was sagen Antworten mit Zitat

In den letzten 3 Monaten habe ich mehrfach, d.h. häufig, Kontakt zu Mormonen gehabt (in Vorbereitung auf den 60. Genealogentag in Bad Elster). http://www.genealogentag.de
Ich kann nur sagen, daß ich NUR angenehme und positive Erfahrungen gemacht habe!!!!
Das war das eine und das andere bzgl. der FHL.
Mich ärgert das auch oft, wenn viele der Einträge doppelt eingetragen sind, oft dann sogar noch mit unterschiedlichen Angaben. Ebenso finde ich es auch oft blöd, daß man nicht direkt nach Orten suchen kann usw....

Einiges sollten wir aber bei allem nicht vergessen:
1. Die Angebote sind kostenfrei - was man durchaus nicht von allen anderen behaupten kann
2. wie die Angebote genutzt werden, liegt auch an jedem selber
3. eine "Kontrolle" im KB bringt oft noch ganz andere Ergebnisse Smilie

Und mal ganz nebenbei: am 11.10.2008 werden die Mormonen in Bad ELster einen Vortrag halten und danach wird es eine allg. Frage - Antwort - Stunde geben. Dort hat jeder die Möglichkeit, seine Fragen anzubringen.

Viele Grüße
Carolin
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Harald Mischnick
Teilnehmendes Mitglied
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Anmeldungsdatum: 25.10.2008
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 31.10.2008, 16:33    Titel: Antworten mit Zitat

Sucht man nach gewissen Namen, findet man im IGI haarsträubenden Unfug. Wer zum Beispiel "Hans Auerswald" , Germany und Saxony in die Suchmaske eingibt, wird mit Datensätzen konfrontiert, die komplette Fälschungen darstellen. Kichenbuchdaten in Grünhain vor 1643 sind nicht vorhanden, auch keine exakten Taufdaten in Gerichtsbüchern. Ähnliches gilt für Schwarzenberg, obwohl da die KB um 1580 beginnen. Mißtrauisch muß auch machen, wenn in Sachsen im 16. Jahrhundert sehr viele Personen zwei, drei oder gar vier Vornamen haben sollen. Zwei Vornamen kommen in Wahrheit in diesem Zeitraum sehr selten vor, drei wahrscheinlich nur bei sehr hochgestellten Personen. Manchmal sind Personen mit den angeblichen Vornamen "Hans Johann" eingetragen worden. Oft sind Ortsnamen verstümmelt, manchmal werden sie falschen Territorien zugeordnet. Übrigens sind neben Schwarzenberg und Grünhain auch Daten aus Hundshübel mit allergrößter Vorsicht zu genießen, wenn nicht gar wie solche aus Schwarzenberg und Grünhain definitiv schlichtweg erfunden.
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